Was beschert die geplante Finanztransaktionssteuer den Investoren

Was beschert die geplante Finanztransaktionssteuer den Investoren

Angela Merkel treibt die Finanztransaktionssteuer voran und sorgt damit für Kopfschmerzen bei den Hochfrequenzhändlern. In der Finanzwelt und bei der FDP hat die vorgeschlagene Finanztransaktionssteuer für Unruhe gesorgt. Vorgeschlagen werden 0,1 Prozent Steuern für Kauf und Verkauf von Aktien und Anleihen in 11 EU-Ländern. Mit 0,01 Prozent sollen Transaktionen von Derivaten besteuert werden. Die Finanzwirtschaft soll mit dieser Steuer helfen die Finanzkrise zu finanzieren. Es wurde vorgeschlagen auf alle Transaktionen mit Beteiligung der Banken aus den 11 teilnehmenden Euroländern eine Finanztransaktionssteuer zu erheben. Zudem soll die Steuer für Wertpapiere erheben werden die bei den jeweiligen Banken gehandelt werden. Von der FDP regt sich Widerstand so dass dieses von Frau Merkel vorangetriebene Projekt abermals auf der Kippe steht.

Extreme Belastung für Kleinanleger

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Volker Wissing bemängelte, dass die geplante Abgabe vor allem Kleinanleger und mittelständische Betriebe extrem belastet. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft hat Angela Merkel geäußert, dass sie sich für die Einführung einer weltweiten Finanztransaktionssteuer im Kreis der G-20-Staaten einsetzen. In erster Linie wird sich die EU-Steuer auf den Hochfrequenzhandel auswirken. Da die Branche von zahlreichen und sehr kleinen Geschäften lebt, bei denen ein Händler im Durchschnitt 87 Cent vor Kosten an einer Transaktionen verdient, könnte es sein dass nach der Einführung der Finanztransaktionssteuer solche Geschäfte entweder nicht mehr stattfinden oder eben woanders.

Probleme für den Hochfrequenzhandel

In Deutschland droht dem Hochfrequenzhandel Ungemach durch die geplante Regulierung weil nach dem Gesetzentwurf die Zulassung von Hochfrequenzhändlern nach dem Kreditwesengesetz vorgesehen ist. Viele ausländische Handelsteilnehmer müssten dann in Deutschland Niederlassungen gründen. Diese müssten dann mit entsprechendem Kapital ausgestattet und mit Geschäftsführern besetzt werden. Die Folge wäre vermutlich, dass vor allem die ausländischen Hochfrequenzhändler über ihr Engagement in Deutschland nachdenken. Auswirkungen durch die Finanztransaktionsteuer werden in der Finanzbranche insgesamt erwartet. Der Vorsitzende vom europäischen Händlerverband EPTA befürchtet dass die Besteuerung vom Hochfrequenzhandel zu einseitig ist und der Effekt zudem marginal sei.

11 EU-Länder nehmen teil

Die geplante Finanztransaktionssteuer reduziert die Erträge

Die geplante Finanztransaktionssteuer reduziert die Erträge

In den Niederlanden, die nicht zu den 11 teilnehmenden EU-Ländern gehört, haben die Pensionsfonds protestiert. Jeder Pensionär des größten holländischen Pensionsfonds müsste 550 Euro schultern. Im Papier zur Vorlage der Steuer wird von einem passiven Fondsmanagement ausgegangen. Hier werden die Geldanlagen von der Emission bis zur Fälligkeit gehalten. Umschichtungen wurden von der EU-Kommission nicht berücksichtigt. Weitreichende Veränderungen dürfte es auch durch die unterschiedliche Steuerhöhe zwischen Aktien- und Anleihetransaktionen sowie derivativen Transaktionen geben. Genau wie am Londoner Finanzplatz durch die Stempelsteuer auf Aktien, könnten die klassischen Börsenprodukte auf Derivate verlagert werden. Es wird ohnehin im Aktienhandel eine Abwanderung von etablierten Börsenplätzen erwartet.

Verlagert sich der Handel?

Die alternative Handelsplattform Chi-X in London verfügt jetzt schon über einen Marktanteil in deutschen Aktien von über einem Viertel. Die Finanztransaktionssteuer soll zwar auch den außerbörslichen Handel erfassen, viele Marktteilnehmer hoffen aber darauf, dass die Steuerbehörden auf den außerbörslichen oder weniger regulierten Handel weniger stark zugreifen, als auf den regulierten Handel. Die Deutsche Börse warnt davor, dass mit der Einführung der EU-Finanztransaktionssteuer mehr Transaktionen in die intransparenten Märkte verlagert werden. Systemische Risiken würden nicht nur der Kontrolle, sondern auch dem Einfluss der Aufsicht entzogen.

Was kommt auf die Eurex zu?

Ungemach wird auch für die Terminbörse Eurex erwartet. Der Handel mit Terminkontrakten auf Bundesanleihen gehört zu den erfolgreichsten Produkten der Deutschen Börse. Konkurrenzbörsen könnten einen eigenen Bund Future auflegen um die Finanztransaktionssteuer zu umgehen. Für Investoren von außerhalb der 11 teilnehmenden EU-Länder könnten dann in London einen dort aufgelegten Bund Future ohne die Transaktionssteuer handeln. Die Gefahr, dass sich das Handelsvolumen nach London verlagert, wenn die Finanztransaktionssteuer eingeführt wird ist für Deutschland groß. Niemand kann genau voraussagen wie viel Börsenhandel abwandert. Bereits in den 80er Jahren hat Schweden schlechte Erfahrungen gemacht und weniger Steuern eingenommen als erwartet. Der Versuch wurde nach wenigen Jahren abgebrochen. Heute ist das Abwandern viel leichter als damals weil die Volkswirtschaften der Länder noch verflochtener sind. Trotzdem wird letztendlich für Deutschland genug übrigbleiben. Die Rede ist von etwa 12 Mrd. Euro – eine stolze Summe. Im Vergleich dazu sind die im vergangenen Jahr eingebrachten 600 Mio. Euro aus der 2010 eingeführten Bankenabgabe nur Peanuts.

Versicherungen sind auch betroffen

Die deutschen Bürger sind dafür, dass die Banken bezahlen, denn zahlreiche Finanzgeschäfte sind von der Mehrwertsteuer ausgenommen und zudem haben die Banken schließlich die Finanzkrise verursacht. Die Rettungsmilliarden werden von den Banken immer noch zurückbezahlt. Das Ziel der EU-Kommission ist, die Banken mit der Transaktionssteuer zu belasten. Die Geschäfte mit Privatpersonen sollen gänzlich steuerfrei sein. Da allerdings nur wenige Privatleute direkt an der Börse auftreten, sondern die Banken mit dem Kauf und Verkauf beauftragen werden sie mit der Provision auch die Steuer bezahlen müssen. Es sind nicht nur Produkte die offensichtlich an der Börse gehandelt werden von der Finanztransaktionssteuer betroffen, sondern auch Lebensversicherungen, Riester-Renten und Betriebsrenten, weil die Versicherer das Geld an der Börse anlegen. Somit wird dann auch für diese Produkte die Finanztransaktionssteuer fällig und die Rendite für die Versicherungsnehmer reduziert.

Bildquelle 1: ©Schmuttel / pixelio.de
Bildquelle 2: ©Jorma Bork / pixelio.de

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